Der Anstoß zur Gründung

Turner ergriffen die Initiative

Die Turner und ihre Vereine waren damals die treibenden Kräfte für die Aufstellung von freiwilligen Feuerwehren in einem bis dahin unbekannten Ausmaß in Deutschland. 1841 gründete Friedrich August Kentzsch in Meißen die erste Freiwillige Feuerwehr, 1846 folgten Christian Hengst in Durlach und Conrad Dietrich Magirus in Ulm seinem Beispiel. Sie waren die Vorreiter einer bis dahin beispiellosen Kampagne zur Verbesserung des Brandschutzes.

Was folgte war eine Gründungswelle. Zuerst im süd-
deutschen Raum – dann auch in ganz Deutschland – angeschoben durch die Turnvereine, die durch das Training der Turner sich als besonders berufen fühlten. Ihre körperlichen Fähigkeiten nützend, wurden in den beiden darauffolgenden Jahrzehnten immer mehr ehrenamtliche Feuerwehren ins Leben gerufen.

Nachdem es in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhun-
derts in Kastel immer wieder zu erheblichen Brand-
schäden kam, scharten sich Männer des hiesigen Turn-
vereins, um die Idee einer Gründung in die Tat umzusetzen. So geschah es auch bei uns in Mainz-Kastel, bei der die Turner des Turnvereins von 1846 der Anregung von Jakob Schick folgten, und am Sonntag, dem 16. Juni 1866, die „Turnerfeuerwehr Kastel“ gründeten. Damit gehört die Feuerwehr in unserer Gemeinde zu den frühen Gründungen in Deutschland.

Die Turnvereine waren damit die Initiatoren einer Bürgerinitiative die zum Ziel hatte, die oftmals verheerenden Brandereignisse in den Gemeinden und Städten wirkungsvoll zu bekämpfen. In vielen Jahrhunderten zuvor hatte man nur wenig gegen den „roten Hahn“ ausrichten können. Die Brandschutz-
einrichtungen der damaligen Obrigkeiten waren schlecht organisiert, oftmals auch nur mangelhaft ausgerüstet, schlecht trainiert und wenig motiviert. Um die Motivation zu erhöhen, gab es Brandordnungen, nach der man z. B. dem Kutscher, der die erste Wasserbütte an eine Brandstelle heranbrachte, eine Belohnung zahlte.

Mit der Gründung der freiwilligen Feuerwehren änderte sich das schnell und nachhaltig. Man richtete sich zunächst nach den französischen Vorbildern aus. Oftmals nannte man sich Pompier-Korps. In Frankreich hatte man bereits im 18. Jahrhundert die Bedeutung einer geregelten und geordneten Brandbekämpfung erkannt, und sogenannte Militärfeuerwehren gegründet. Deren Ausbildungs- und Exerzierreglement diente den neu gegründeten Feuerwehren in Deutschland als Vorbild. Disziplin, ausdauerndes Training, kameradschaftlicher Zusammenhalt und der Wille, etwas gegen die Brandgefahren tun zu wollen, führten rasch zu Erfolgen.

Die Brandgefahren verloren ihren panischen Schrecken. Der Ruf „Feurio, Feurio“ hatte zwar noch immer eine unheimliche Bedeutung, jetzt konnte aber mehr und mehr einer Stadtzerstörung oder dem Verlust aller Häuser in einer Gemeinde Einhalt geboten werden.

image

Die Aktiven der Feuerwehr Kastel im Jahre 1911. In der Mitte zu sehen ist der damalige Kommandant der Wehr, Jakob Fischer II. (mit Dienstmütze), der die Wehr 13 Jahre lang führte. Auf dem Bild ist gut zu erkennen, dass die damaligen Wehrmänner nicht nur Lederhelme, sondern auch Helme aus Metall nach französischer Bauart trugen. Ort der Aufnahme ist in der Schwarzenbergstraße am Zaun des damaligen Feuerwehrgeländes, hinter dem die Bahnstrecke Wiesbaden – Frankfurt vorbeiführt.